Was bereuen Menschen, wenn ihr Leben zu Ende geht? Die Palliativpflegerin Bronnie Ware hielt fest, was Sterbende ihr am häufigsten anvertrauten, und an erster Stelle stand selten der Beruf oder der Besitz, sondern der Wunsch, mutiger gelebt, Gefühle ausgesprochen und Beziehungen gepflegt zu haben. Zugleich zeigt die Forschung, was am Lebensende wirklich zählt: Schmerzfreiheit, innerer Friede und das Gefühl, niemandem zur Last zu fallen.
Kurz zusammengefasst
Die australische Palliativpflegerin Bronnie Ware hielt fest, was Sterbende ihr am häufigsten anvertrauten. An erster Stelle stand nicht Beruf oder Besitz, sondern der Wunsch, mutiger dem eigenen Leben treu geblieben zu sein statt den Erwartungen anderer zu folgen. Es folgten der Wunsch, weniger gearbeitet, Gefühle ausgesprochen, Freundschaften gehalten und sich mehr Glück erlaubt zu haben. Am Ende zählten Beziehungen, nicht Erfolg oder Besitz.
Diese Seite bündelt die wichtigsten Statistiken und Erkenntnisse dazu, was Menschen am Lebensende bereuen und was ihnen wichtig ist: die fünf häufigsten Wünsche Sterbender, die Lücke zwischen dem Wunsch, zu Hause zu sterben, und der Wirklichkeit, das Schweigen über den Tod und die Frage, wie geregelte Verhältnisse den Hinterbliebenen eine Last nehmen. Jede Zahl ist mit einer Quelle verlinkt, die Sie am Ende der Seite finden.
- Die fünf häufigsten Wünsche, die am Lebensende ungelebt blieben
- Was am Lebensende wirklich zählt
- Wo wir sterben möchten und wo wir tatsächlich sterben
- Das große Schweigen über den Tod
- Das Unausgesprochene und das Unversöhnte
- Vorsorge als letzte Form der Fürsorge
- Was unabhängige Quellen über das Lebensende zeigen
- Quellenverzeichnis
Die fünf häufigsten Wünsche, die am Lebensende ungelebt blieben
Die australische Palliativpflegerin Bronnie Ware begleitete über Jahre Menschen in ihren letzten Lebenswochen und hielt fest, was sie am häufigsten bereuten. Ihre Beobachtungen wurden weltweit bekannt und in 27 Sprachen übersetzt.
1. Der häufigste Wunsch: ein Leben nach eigenen Maßstäben
Der mit Abstand am häufigsten genannte Wunsch Sterbender lautete laut Bronnie Ware: "Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mir selbst treu zu leben, und nicht das Leben zu führen, das andere von mir erwarteten." Es war der Wunsch, der ihr in den Gesprächen am Lebensende am häufigsten begegnete.1
2. "Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet"
Als zweithäufigsten Wunsch nannte Ware den Satz "Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet". Diesen Wunsch äußerten nach ihrer Schilderung ausnahmslos alle von ihr begleiteten Männer, die das Versäumen gemeinsamer Zeit mit Partnerin und Kindern bereuten.2
3. Gefühle aussprechen, Freundschaften halten, glücklicher sein
Die drei weiteren von Ware dokumentierten Wünsche lauteten: "Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken", "Ich wünschte, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden gehalten" und "Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein". Auffällig oft ging es am Ende nicht um Besitz oder Erfolg, sondern um Beziehungen und Verbundenheit.3
Was am Lebensende wirklich zählt
Die Forschung zur Frage, was sterbenden Menschen wichtig ist, zeichnet ein klares Bild. Es sind selten die großen Dinge, sondern Schmerzfreiheit, innerer Friede und das Gefühl, niemandem zur Last zu fallen.
4. Schmerzfreiheit zählt am meisten, zu Hause sterben am wenigsten
In einer vielzitierten US-Studie mit 1.462 Befragten (schwerkranke Patienten, Angehörige, Ärzte, Pflegende) wurde unter neun zentralen Aspekten die Schmerz- und Symptomfreiheit als wichtigster eingestuft, der Sterbeort zu Hause dagegen als am wenigsten wichtig. Wichtiger als der Ort waren den Menschen Würde, Vorbereitung und ein Gefühl der Vollendung.4
5. Niemandem zur Last fallen wollen
Dieselbe Studie zeigte, dass Patienten bestimmte Aspekte deutlich wichtiger bewerteten als ihre behandelnden Ärzte. Dazu gehörten geistige Klarheit, geregelte Bestattungsvorkehrungen und vor allem der Wunsch, anderen nicht zur Last zu fallen.5
6. Worüber am Ende Einigkeit herrscht: die Dinge regeln
In einer ergänzenden Untersuchung waren sich Patienten, Angehörige und Fachpersonal einig, was zur guten Vorbereitung auf das Lebensende gehört: eine Vertrauensperson für Entscheidungen zu benennen, zu wissen, was körperlich zu erwarten ist, die finanziellen Angelegenheiten geordnet zu haben und Behandlungswünsche schriftlich festzuhalten.6
Wo wir sterben möchten und wo wir tatsächlich sterben
Die meisten Menschen in Deutschland wünschen sich, zu Hause zu sterben. Die Wirklichkeit sieht anders aus, und die Lücke zwischen Wunsch und Realität wird über die Jahre eher größer.
7. Nur drei Prozent möchten im Krankenhaus sterben
In einer Bevölkerungsbefragung des Zentrums für Qualität in der Pflege gaben 49 Prozent an, sich zum Sterben zu Hause am besten aufgehoben zu fühlen, 27 Prozent nannten ein Hospiz, vier Prozent eine stationäre Pflegeeinrichtung und nur drei Prozent das Krankenhaus. Der Wunsch nach dem vertrauten Zuhause dominiert eindeutig.7
8. Fast die Hälfte der Älteren stirbt im Krankenhaus
Der Faktencheck der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass in Deutschland für etwa 46 Prozent aller Verstorbenen das Krankenhaus der Sterbeort ist. Damit stirbt fast die Hälfte der älteren Menschen genau dort, wo sie es sich am wenigsten gewünscht hatten.8
9. Das Sterben zu Hause wird immer seltener
Eine Langzeitanalyse von Totenscheinen der Stadt Münster über zwei Jahrzehnte zeigt, dass der Anteil der zu Hause Verstorbenen kontinuierlich gesunken ist: von 24,0 Prozent im Jahr 2001 über 19,7 Prozent (2011) auf nur noch 14,6 Prozent im Jahr 2021. Im selben Zeitraum stieg der Anteil der in Pflegeheimen Verstorbenen von 7,8 auf 19,5 Prozent.9
Das große Schweigen über den Tod
Sterben und Tod bleiben in Deutschland ein Thema, dem viele ausweichen. Eine Mehrheit wünscht sich, dass die Gesellschaft offener damit umgeht.
10. 60 Prozent finden, die Gesellschaft schweigt zu sehr
In der repräsentativen DHPV-Bevölkerungsbefragung 2022 (über 1.000 Befragte) waren 60 Prozent der Meinung, dass sich unsere Gesellschaft zu wenig mit Sterben und Tod befasst. Der Wunsch nach einer offeneren Auseinandersetzung ist also weit verbreitet.10
11. Die Angst, am Ende eine Last zu sein
Laut der DHPV-Befragung 2022 treibt fast jeden Dritten die Sorge um, am Lebensende anderen zur Last zu fallen. Diese Angst gehört zu den am häufigsten genannten Befürchtungen rund um das eigene Sterben.11
Das Unausgesprochene und das Unversöhnte
Am Lebensende rücken offene Konflikte und ungesagte Worte in den Vordergrund. Versöhnung und ein Gefühl des Abschlusses sind für viele Menschen entscheidend, um in Frieden gehen zu können.
12. Versöhnung als Aufgabe der letzten Tage
Eine Schweizer Studie mit 50 sterbenden Krebspatienten zeigte, dass bei 62 Prozent der Patienten Prozesse des Vergebens und der Versöhnung wiederholt auftraten. Bemerkenswert: Viele Patienten starben kurz nach einer solchen Aussöhnung, 22 von ihnen innerhalb von 48 Stunden.12
13. Mehr als die Hälfte hinterlässt keine klaren Wünsche
Eine Studie des Instituts rheingold im Auftrag von FriedWald (806 Befragte, 2024) ergab, dass nur 44 Prozent der Verstorbenen zu Lebzeiten klare Wünsche zur eigenen Bestattung geäußert hatten. Bei der Mehrheit mussten die Hinterbliebenen ohne ausdrückliche Anweisung entscheiden, oft in einer Zeit tiefer Trauer.13
Vorsorge als letzte Form der Fürsorge
Wer seine Angelegenheiten ordnet, nimmt den Hinterbliebenen eine Last ab. In Deutschland tut das bislang nur eine Minderheit, obwohl die Forschung zeigt, wie wichtig geregelte Verhältnisse am Lebensende sind.
14. Nur jeder Dritte hat eine Patientenverfügung
Laut der DHPV-Befragung 2022 verfügten 45 Prozent der Befragten über eine Patientenverfügung. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber 2012, als es erst 26 Prozent waren, doch noch immer hat die Mehrheit keine schriftliche Vorsorge für medizinische Entscheidungen getroffen.14
15. Nur 31 Prozent haben ihren letzten Willen geregelt
Eine repräsentative forsa-Umfrage zum Erbrecht (1.001 Befragte, 2024) ergab, dass lediglich 31 Prozent der Menschen in Deutschland ein Testament oder einen Erbvertrag verfasst haben. Bei den unter 30-Jährigen sind es nur drei Prozent, und selbst bei den über 60-Jährigen hat erst eine knappe Mehrheit von 58 Prozent vorgesorgt.15
16. Der digitale Nachlass bleibt fast ganz ungeregelt
Eine Bitkom-Befragung (1.003 Befragte, 2025) zeigt, dass nur 32 Prozent der Internetnutzerinnen und Internetnutzer ihren digitalen Nachlass geregelt haben. 43 Prozent geben an, dass sie dies weder tun werden noch wollen, obwohl Online-Konten und Daten heute zum Erbe gehören.16
Was unabhängige Quellen über das Lebensende zeigen
Weitere Erhebungen aus amtlicher Statistik und Demoskopie ergänzen das Bild davon, wie viele Menschen sterben, wo sie es tun und wie wenige vorsorgen.
17. Über eine Million Sterbefälle pro Jahr
Laut Statistischem Bundesamt wurden in Deutschland im Jahr 2025 rund 1.006.300 Sterbefälle gezählt (vorläufiger Wert). Die Lebenserwartung lag im Zeitraum 2022/24 bei 78,5 Jahren für Männer und 83,2 Jahren für Frauen.17
18. Rund drei Viertel sterben in einer Institution
Eine von fowid ausgewertete Allensbach-Erhebung für den DAK-Pflegereport 2016 zeigt, dass etwa 75 Prozent der Menschen in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen oder Hospizen sterben, obwohl die meisten sich das Zuhause wünschen. Die Angst, allein zu sterben, erweist sich dabei als wenig begründet: Von den zu Hause Verstorbenen waren nur 7 Prozent im Moment des Todes allein.18
19. Verbreitung der Patientenverfügung verdoppelt sich
Nach einer Erhebung des Instituts für Demoskopie Allensbach hatten 2014 bereits 28 Prozent der Bürgerinnen und Bürger eine Patientenverfügung verfasst, nach erst 15 Prozent im Jahr 2009. Bei den 60-Jährigen und Älteren war es mehr als jeder Zweite.19
20. Junge Menschen vermissen das Gespräch über den Tod
In einer 2020 von YouGov im Auftrag der Malteser durchgeführten Befragung von 1.007 jungen Menschen zwischen 16 und 30 Jahren finden 41 Prozent, dass sich die Gesellschaft zu wenig mit Tod, Sterben und Trauer befasst. 57 Prozent von ihnen haben für das eigene Lebensende noch keinerlei Vorsorge getroffen.20
Vieles am Lebensende lässt sich nicht mehr ändern. Eine Sache aber schon: ob Sie Ihren Liebsten geordnete Verhältnisse und klare Wünsche hinterlassen oder sie in der Trauer mit offenen Fragen zurücklassen. Wer seine Angelegenheiten regeln möchte, kann unseren Testament-Generator nutzen oder sich in den Beiträgen Testament schreiben, Wie viele haben ein Testament? und Digitaler Nachlass einlesen.
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Kuch, M. (2026). Was bereuen Sterbende am meisten? (Statistiken). Testamenteinfach. https://testamenteinfach.de/blog/was-sterbende-bereuen-statistiken/
Kuch, Max. "Was bereuen Sterbende am meisten? (Statistiken)" Testamenteinfach, 2026, testamenteinfach.de/blog/was-sterbende-bereuen-statistiken/
Kuch, Max. "Was bereuen Sterbende am meisten? (Statistiken)" Testamenteinfach, 2026. https://testamenteinfach.de/blog/was-sterbende-bereuen-statistiken/
Häufig gestellte Fragen
Was bereuen Sterbende am häufigsten?
Der mit Abstand häufigste Wunsch lautete laut Bronnie Ware, den Mut gehabt zu haben, sich selbst treu zu leben und nicht das Leben zu führen, das andere erwarteten. An zweiter Stelle stand der Wunsch, nicht so viel gearbeitet zu haben.
Was sind die fünf häufigsten Wünsche am Lebensende?
Die fünf von Bronnie Ware dokumentierten Wünsche sind: sich selbst treu zu leben, weniger zu arbeiten, die eigenen Gefühle auszudrücken, den Kontakt zu Freunden zu halten und sich mehr Glück zu erlauben. Auffällig oft ging es um Beziehungen, nicht um Besitz.
Woher stammen diese Erkenntnisse?
Sie stammen von der australischen Palliativpflegerin Bronnie Ware, die über Jahre Menschen in ihren letzten Lebenswochen begleitete. Ihre Beobachtungen wurden weltweit bekannt und in 27 Sprachen übersetzt.
Quellenverzeichnis
- 1Bronnie Ware (bronnieware.com)
- 2Bronnie Ware (bronnieware.com)
- 3Bronnie Ware (bronnieware.com)
- 4JAMA, Steinhauser et al. (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
- 5JAMA, Steinhauser et al. (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
- 6Annals of Internal Medicine, Steinhauser et al. (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
- 7Bertelsmann Stiftung / ZQP 2013 (bertelsmann-stiftung.de)
- 8Bertelsmann Stiftung (bertelsmann-stiftung.de)
- 9Deutsches Ärzteblatt / PMC (pmc.ncbi.nlm.nih.gov)
- 10DHPV (dhpv.de)
- 11DHPV (dhpv.de)
- 12PubMed (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
- 13FriedWald / rheingold (friedwald.de)
- 14DHPV (dhpv.de)
- 15Deutsches Forum für Erbrecht / forsa (erbrechtsforum.de)
- 16Bitkom (bitkom.org)
- 17Statistisches Bundesamt (destatis.de)
- 18Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid) (fowid.de)
- 19Institut für Demoskopie Allensbach (ifd-allensbach.de)
- 20Malteser / YouGov (malteser.de)
Über den Autor
Max Kuch
Max Kuch beschäftigt sich seit Jahren mit Erbrecht, Nachlassplanung und Verbraucherthemen rund um das Vererben. Für Testamenteinfach sichtet und bündelt er Forschung und repräsentative Studien, hier etwa von Bronnie Ware, aus der internationalen Palliativforschung, vom Deutschen Hospiz- und PalliativVerband, der Bertelsmann Stiftung und von forsa, und bereitet sie verständlich auf.