Das durchschnittliche Erbe in Deutschland liegt bei gut 85.000 Euro. Doch dieser Mittelwert täuscht, denn wenige sehr große Erbschaften ziehen ihn nach oben.
Kurz zusammengefasst
Das durchschnittliche Erbe in Deutschland liegt bei rund 85.000 Euro pro begünstigter Person, doch dieser Mittelwert täuscht: Der Median liegt deutlich darunter, und nur etwa 10 Prozent erben mehr als 85.000 Euro. Lebzeitige Schenkungen fallen mit rund 89.000 Euro im Schnitt sogar etwas höher aus. Die Hälfte des gesamten Erbvolumens geht an die reichsten zehn Prozent der Begünstigten.
Tatsächlich erbt ein großer Teil der Deutschen nur wenig oder gar nichts. Die Hälfte des gesamten Erbvolumens geht an die reichsten zehn Prozent der Begünstigten.
- Das durchschnittliche Erbe in Zahlen
- Warum der Durchschnitt täuscht
- Wie viele Deutsche erben überhaupt?
- Wer erbt am meisten?
- Das jährliche Erbvolumen
- Immobilien als größter Erbposten
- Vermögensverteilung in Deutschland
- Erbschaftsteuer in Zahlen
- Wer regelt sein Erbe?
- Was unabhängige Quellen zusätzlich zeigen
- Quellenverzeichnis
1. Das durchschnittliche Erbe liegt bei rund 85.000 Euro
Die durchschnittliche Höhe einer Erbschaft beläuft sich auf etwas mehr als 85.000 Euro pro begünstigter Person. Dieser Mittelwert umfasst alle Erbschaften, von kleinen Beträgen bis zu Millionenvermögen.1
2. Schenkungen liegen im Schnitt bei rund 89.000 Euro
Lebzeitige Schenkungen fallen mit durchschnittlich rund 89.000 Euro pro Person sogar etwas höher aus als Erbschaften. Wer zu Lebzeiten überträgt, verfügt tendenziell über mehr Vermögen und plant die Weitergabe gezielt.2
3. Im obersten Fünftel beträgt die Erbschaft im Mittel 248.000 Euro
Teilt man die Bevölkerung nach Vermögen in fünf gleich große Gruppen, liegt die zu erwartende Erbschaft im obersten Fünftel im Median bei gut 248.000 Euro.3
4. Im untersten Fünftel sind es nur 12.000 Euro
Im untersten Fünftel der Verteilung liegt die zu erwartende Erbschaft im Median bei lediglich rund 12.000 Euro. Zwischen oben und unten liegt damit ein Faktor von etwa 20.4
5. Wer schon vermögend ist, erbt am meisten
Die Daten zeigen einen klaren Zusammenhang: Menschen mit hohem eigenem Vermögen erhalten auch die größten Erbschaften. Erben verstärkt damit bestehende Unterschiede, statt sie auszugleichen.5
6. Der Median liegt klar unter dem Durchschnitt
Während der Durchschnitt bei rund 85.000 Euro liegt, fällt der Median deutlich niedriger aus. Bei Schenkungen etwa stieg der Median zuletzt auf knapp 36.000 Euro, der Durchschnitt liegt mit 89.000 Euro mehr als doppelt so hoch.6
7. Die Hälfte aller Erbschaften geht an die reichsten zehn Prozent
Die Hälfte des gesamten Erb- und Schenkungsvolumens entfällt auf die reichsten zehn Prozent aller Begünstigten. Die andere Hälfte teilen sich die übrigen 90 Prozent.7
8. Das oberste Zehntel erbt im Schnitt sechsstellig
Innerhalb der reichsten zehn Prozent der Begünstigten liegen die durchschnittlichen Übertragungen im hohen sechsstelligen Bereich, ein Vielfaches dessen, was der typische Erbe erhält.8
9. Nur rund 10 Prozent erbten mehr als 85.000 Euro
In den 15 Jahren zwischen 2002 und 2017 machten nur etwa 10 Prozent aller erwachsenen Deutschen eine Erbschaft im Wert von mindestens 85.000 Euro. Eine Erbschaft in Höhe des viel zitierten Durchschnitts ist also die Ausnahme, nicht die Regel.9
10. In Westdeutschland rechnet nur jeder Vierte mit einem Erbe
In Westdeutschland gehen rund 25 Prozent der Menschen davon aus, einmal zu erben. In Ostdeutschland liegt der Anteil mit etwa 16 Prozent noch deutlich niedriger. Die Mehrheit erwartet also gar kein Erbe.10
11. Die meisten Erben sind 55 Jahre oder älter
Erbschaften treffen die Menschen meist spät im Leben: Die Mehrzahl der Erben ist 55 Jahre oder älter. Wer auf ein Erbe als Altersvorsorge hofft, bekommt es oft erst, wenn diese Lebensphase längst begonnen hat.11
12. Rund sechs Millionen Erbfälle in einer Dekade
Für den Zeitraum 2015 bis 2024 rechnet die DIA-Studie mit knapp sechs Millionen Erbfällen in Deutschland. Statistisch erlebt damit etwa jeder vierte Haushalt in dieser Dekade eine Erbschaft.12
13. Rund eine Million Sterbefälle pro Jahr
2024 starben in Deutschland rund 1,0 Millionen Menschen. Jeder dieser Sterbefälle kann einen Erbfall auslösen, doch nicht jeder hinterlässt nennenswertes Vermögen.13
14. Erbschaften vergrößern die Vermögensungleichheit
Der Titel der DIW-Analyse bringt es auf den Punkt: Erbschaften machen vor allem Vermögende noch reicher. Da die größten Erbschaften an ohnehin Wohlhabende gehen, vergrößert das Vererben die Vermögensungleichheit, statt sie abzubauen.14
15. Verheiratete und Kinder erben am häufigsten
Den größten Teil der Erbschaften erhalten Ehepartner und Kinder der Verstorbenen. Sie stehen in der gesetzlichen Erbfolge an erster Stelle, deren Regeln unser Beitrag Gesetzliche Erbfolge erklärt.15
16. Wer wenig hat, erbt auch wenig
Im untersten Fünftel der Vermögensverteilung liegt die typische Erbschaft bei rund 12.000 Euro, im obersten bei 248.000 Euro. Erbschaften folgen damit dem bestehenden Vermögen, statt es umzuverteilen.16
17. Bis zu 400 Milliarden Euro werden jährlich vererbt und verschenkt
Das DIW Berlin schätzt das jährlich vererbte und verschenkte Vermögen auf bis zu 400 Milliarden Euro, deutlich mehr als frühere Schätzungen annahmen.17
18. Das Erbvolumen wächst weiter
Das übertragene Vermögen nimmt von Jahr zu Jahr zu. Hauptgründe sind gestiegene Immobilienwerte und das Vermögen der Babyboomer-Generation, die nun in die Phase der Vermögensweitergabe kommt.18
19. Steuerlich erfasst wird nur ein Teil des Vermögens
Das Statistische Bundesamt erfasst jährlich das steuerlich berücksichtigte geerbte und geschenkte Vermögen. Es bewegt sich im dreistelligen Milliardenbereich, liegt aber unter dem geschätzten Gesamtvolumen, da viele Übertragungen unter den Freibeträgen bleiben.19
20. Große Erbschaften ab 100.000 Euro haben um 50 Prozent zugenommen
Eine Postbank-Auswertung zeigt, dass Erbschaften von mindestens 100.000 Euro um rund 50 Prozent zugenommen haben. Hauptgrund ist der Anstieg der Immobilienpreise der vergangenen 15 Jahre.20
21. Immobilien sind der Haupttreiber großer Erbschaften
Wer hohe Beträge erbt, erbt in der Regel kein Bargeld, sondern Immobilien. Das geerbte Eigenheim oder die vermietete Wohnung macht den Großteil großer Nachlässe aus.21
22. Geerbte Immobilien können Erbschaftsteuer auslösen
Gerade weil Immobilien hohe Werte haben, übersteigen sie häufiger die Freibeträge und lösen Erbschaftsteuer aus. Wie sich Pflichtteilsansprüche berechnen, zeigt unser Beitrag Pflichtteil berechnen.22
23. Die reichsten zehn Prozent besitzen mehr als die Hälfte des Vermögens
Die reichsten zehn Prozent der Haushalte halten mehr als die Hälfte des gesamten Nettovermögens in Deutschland. Diese Konzentration ist eine der höchsten in der Eurozone. Dass dieses Vermögen beweglich ist, zeigt die Auswanderungsstatistik: Deutschland verliert inzwischen mehr Millionäre, als es anzieht.23
24. Median- und Durchschnittsvermögen klaffen weit auseinander
Wie beim Erbe liegt auch beim Vermögen der Median deutlich unter dem Durchschnitt. Das durchschnittliche Vermögen wird von wenigen sehr reichen Haushalten nach oben gezogen, während der typische Haushalt deutlich weniger besitzt.24
25. Vermögen ist stark vom Alter abhängig
Vermögen wird über Jahrzehnte aufgebaut. Ältere Haushalte verfügen im Schnitt über deutlich mehr als jüngere, weshalb Erbschaften meist erst spät und an bereits etablierte Haushalte fließen.25
26. Ehepartner haben 500.000 Euro Freibetrag
Ehegatten und eingetragene Lebenspartner können alle zehn Jahre 500.000 Euro steuerfrei erben oder geschenkt bekommen.26
27. Kinder haben 400.000 Euro Freibetrag
Für Kinder gilt je Elternteil ein Freibetrag von 400.000 Euro, für Enkel in der Regel 200.000 Euro. Deshalb bleibt ein großer Teil der Erbschaften vollständig steuerfrei.27
28. Die meisten Erbschaften bleiben steuerfrei
Da die typische Erbschaft unter den Freibeträgen liegt, zahlt die Mehrheit der Erben keine Erbschaftsteuer. Besteuert wird vor allem das obere Ende der Verteilung.28
29. Das Steueraufkommen liegt im zweistelligen Milliardenbereich
Die festgesetzte Erbschaft- und Schenkungsteuer bewegt sich seit Jahren im zweistelligen Milliardenbereich pro Jahr und steigt mit dem wachsenden Erbvolumen.29
30. Nur 35 Prozent der potenziellen Erblasser haben ein Testament
Laut der Studie Erben und Vererben 2024 der Deutschen Bank haben nur 35 Prozent der erwachsenen Deutschen, die als Erblasser in Frage kommen, ein Testament.30
31. Unter 50-Jährige: nur 11 Prozent mit Testament
Bei den unter 50-Jährigen verfügen nur 11 Prozent über ein Testament, bei den über 65-Jährigen sind es 50 Prozent. Junge Familien sind also am schlechtesten abgesichert.31
32. Knapp zwei Drittel verlassen sich auf die gesetzliche Erbfolge
Wer kein Testament hinterlässt, überlässt die Verteilung des Vermögens vollständig dem Gesetz. Das betrifft rund zwei Drittel der Erblasser, oft mit Ergebnissen, die nicht dem entsprechen, was sich die Verstorbenen gewünscht hätten.32
Was unabhängige Quellen zusätzlich zeigen
Vier weitere Primärquellen ordnen ein, wie viel Vermögen Haushalte besitzen, wie es sich verteilt und wie verbreitet registrierte Nachlassdokumente sind.
33. Das mittlere Haushaltsvermögen liegt bei rund 324.800 Euro
Laut der Vermögensbefragung der Deutschen Bundesbank verfügten private Haushalte in Deutschland 2023 im Durchschnitt über ein Nettovermögen von rund 324.800 Euro. Der Median fiel inflationsbereinigt deutlich niedriger aus und ging von 90.500 Euro (2021) auf 76.000 Euro zurück, was die schiefe Verteilung des Vermögens zeigt, die auch das Erben prägt.33
34. Ältere Haushalte besitzen ein Vielfaches der Jüngeren
Eine Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) zeigt, wie stark Vermögen vom Alter abhängt: Bei den 55- bis 64-Jährigen liegt das mediane Nettovermögen bei rund 241.100 Euro, bei den unter 35-Jährigen nur bei etwa 17.300 Euro. Weil Erbschaften meist spät anfallen, fließen sie überwiegend an bereits vermögende ältere Haushalte.34
35. Über 22 Millionen Urkunden sind im Testamentsregister erfasst
Im Zentralen Testamentsregister der Bundesnotarkammer waren zum zehnjährigen Bestehen 2022 über 22 Millionen erbfolgerelevante Urkunden registriert. Pro Jahr prüft das Register rund eine Million Sterbefälle daraufhin, ob eine registrierte Verfügung vorliegt, und benachrichtigt das zuständige Gericht.35
36. Die reichsten zehn Prozent besitzen rund 60 Prozent des Vermögens
Nach Angaben des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) besitzen die wohlhabendsten zehn Prozent der Haushalte zusammen rund 60 Prozent des gesamten Nettovermögens. Das WSI weist zudem darauf hin, dass das reichste eine Prozent womöglich etwa ein Drittel des Vermögens hält, also mehr als klassische Berechnungen nahelegen.36
Die wichtigste Lehre aus all diesen Zahlen: Das durchschnittliche Erbe von 85.000 Euro sagt wenig darüber aus, was Sie selbst erwarten oder hinterlassen werden. Entscheidend ist Ihre persönliche Situation, und ob Sie sie geregelt haben. Wer einen geführten Einstieg sucht, kann unseren Testament-Generator nutzen oder sich vorher in den Beiträgen Testament Vorlage, Berliner Testament und Pflichtteil berechnen einlesen. Weitere Daten finden Sie in unseren Testament Statistiken für Deutschland.
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Kuch, M. (2026). Wie viel erben Deutsche im Durchschnitt?. Testamenteinfach. https://testamenteinfach.de/blog/durchschnittliches-erbe/
Kuch, Max. "Wie viel erben Deutsche im Durchschnitt?" Testamenteinfach, 2026, testamenteinfach.de/blog/durchschnittliches-erbe/
Kuch, Max. "Wie viel erben Deutsche im Durchschnitt?" Testamenteinfach, 2026. https://testamenteinfach.de/blog/durchschnittliches-erbe/
Häufig gestellte Fragen
Wie hoch ist das durchschnittliche Erbe in Deutschland?
Die durchschnittliche Erbschaft beläuft sich auf etwas mehr als 85.000 Euro pro begünstigter Person. Weil wenige sehr große Erbschaften den Mittelwert nach oben ziehen, liegt der Median allerdings deutlich niedriger.
Wie viele Menschen erben mehr als den Durchschnitt?
In den 15 Jahren zwischen 2002 und 2017 machten nur etwa 10 Prozent der erwachsenen Deutschen eine Erbschaft von mindestens 85.000 Euro. Eine Erbschaft in Höhe des Durchschnitts ist also die Ausnahme, nicht die Regel.
Wer erbt in Deutschland am meisten?
Die Hälfte des gesamten Erb- und Schenkungsvolumens entfällt auf die reichsten zehn Prozent der Begünstigten. Die Daten zeigen: Wer bereits über ein hohes eigenes Vermögen verfügt, erhält auch die größten Erbschaften.
Quellenverzeichnis
- 1DIW Berlin (diw.de)
- 2DIW Berlin (diw.de)
- 3DIW Berlin (diw.de)
- 4DIW Berlin (diw.de)
- 5DIW Berlin (diw.de)
- 6DIW Berlin (diw.de)
- 7DIW Wochenbericht 5/2021 (diw.de)
- 8DIW Wochenbericht 5/2021 (diw.de)
- 9Hans-Böckler-Stiftung (boeckler.de)
- 10DIA / empirica (empirica-institut.de)
- 11DIA / empirica (empirica-institut.de)
- 12DIA-Studie Erben in Deutschland (dia-vorsorge.de)
- 13Destatis (destatis.de)
- 14DIW Berlin (diw.de)
- 15DIA / empirica (empirica-institut.de)
- 16DIW Berlin (diw.de)
- 17DIW Berlin (diw.de)
- 18Handelsblatt (handelsblatt.com)
- 19Destatis (destatis.de)
- 20Postbank-Studie via Versicherungsbote (versicherungsbote.de)
- 21Postbank-Studie via Versicherungsbote (versicherungsbote.de)
- 22Destatis (destatis.de)
- 23DIW Berlin (diw.de)
- 24DIW Berlin (diw.de)
- 25DIA / empirica (empirica-institut.de)
- 26Destatis / ErbStG (destatis.de)
- 27Destatis / ErbStG (destatis.de)
- 28Destatis (destatis.de)
- 29Statista (de.statista.com)
- 30Deutsche Bank (db.com)
- 31Deutsche Bank (db.com)
- 32Deutsche Bank (db.com)
- 33Deutsche Bundesbank (bundesbank.de)
- 34Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) (iwkoeln.de)
- 35Bundesnotarkammer / Zentrales Testamentsregister (bnotk.de)
- 36Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI) (wsi.de)
Über den Autor
Max Kuch
Max Kuch recherchiert seit Jahren zu Erbrecht, Nachlassplanung und Verbraucherthemen rund um das Vererben. Für Testamenteinfach sichtet und bündelt er die relevanten Studien von Destatis, DIW Berlin, der Bundesnotarkammer sowie von Banken und Forschungsinstituten und bereitet die Zahlen verständlich auf.